admin Januar 22, 2026 0 Comments

Warum Pax und ähnliche Schränke im Altbau oft „krumm“ wirken

Im Altbau sind Boden und Wände selten im Lot. Ein Schrank kann dabei gleichzeitig auf einem schiefen Boden stehen und an einer leicht bauchigen Wand anliegen. Ergebnis: Türen stehen oben oder unten über, Fugen laufen schräg, Schubladen klemmen.

Die gute Nachricht: In 90 Prozent der Fälle ist nicht der Schrank das Problem, sondern die Aufstellung. Wenn du den Korpus korrekt ausrichtest und erst danach die Türen einstellst, bekommst du auch in Mietwohnungen saubere Spaltmaße.

Wichtig ist die Reihenfolge: erst Untergrund stabilisieren, dann Korpus lotrecht, dann Verbindung und Sicherung, zuletzt Fronten und Innenleben.

Problem Typisches Symptom Schnelle Lösung
Schiefer Boden Türen öffnen/schließen schwer, Fugen schräg Unterfüttern, Korpus in Lot bringen
Unruhige Wand (Bauch/Schüssel) Schrank steht oben oder unten ab Abstandshalter, Leistenlösung, nicht „anpressen“
Weicher Untergrund (Dielen, Klick-Vinyl) Korpus „arbeitet“, Türen verstellen sich Last verteilen, feste Auflagepunkte schaffen
Altbau-Schlafzimmer mit weißem Kleiderschrank und sauber ausgerichteten Türen an ungerader Wand
Gerade Fronten gelingen, wenn zuerst der Korpus ins Lot kommt.

Vorbereitung: messen, prüfen, Plan machen (10 Minuten, spart Stunden)

1) Boden und Wand grob checken

  • Boden: Wasserwaage (mind. 60 cm) an mehreren Stellen vor dem Aufstellort. Miss quer (links-rechts) und längs (vorn-hinten).
  • Wand: Lange Latte/gerade Leiste anlegen. Spalte oben, Mitte, unten prüfen.
  • Ecke: Sind Sockelleisten im Weg? Bei vielen Schränken verhindert die Leiste, dass der Korpus hinten an die Wand kommt.

Praxiswert: Schon 5 mm Gefälle über 60 cm reichen, damit Türen sichtbar „wandern“. Ab 10 bis 15 mm solltest du unbedingt unterfüttern und nicht nur über Scharniere „retten“.

2) Stellfläche vorbereiten

  • Teppich weg oder mindestens unter dem Sockelbereich frei, sonst setzt sich der Schrank später und verstellt sich.
  • Bei Dielen: lose Bretter fixieren (falls möglich), sonst Auflagepunkte breit verteilen.
  • Bei Klick-Vinyl/Laminat: nicht punktuell belasten, sondern mit breiteren Platten/Leisten unterlegen.

3) Werkzeug, das wirklich hilft

  • Wasserwaage 60 bis 120 cm
  • Keile oder Distanzplättchen (Holz/Kunststoff)
  • Schraubendreher/PZ2, Akkuschrauber mit Gefühl
  • Maßband, Bleistift
  • Optional: Laserlinie (nice to have, nicht nötig)

Korpus richtig ausrichten: der Ablauf, der in Altbauten funktioniert

Schritt 1: Erst unterfüttern, dann verschrauben

Stelle den Korpus grob an seinen Platz, aber drücke ihn nicht an die Wand. Richte ihn zuerst auf dem Boden aus.

  • Beginne mit der Seite, die am tiefsten steht (Wasserwaage zeigt Gefälle).
  • Schiebe Keile/Plättchen unter die Sockelkante oder unter tragende Punkte des Bodens (nicht irgendwo in der Mitte, wo es nachgibt).
  • Arbeite in kleinen Schritten: 1 bis 2 mm machen optisch viel aus.

Realität: In vielen Altbauzimmern ist der Boden zur Raummitte hin höher (durch Balkenlage) oder zur Außenwand hin niedriger. Nimm dir Zeit, bis der Korpus stabil steht und nicht wippt.

Schritt 2: Korpus ins Lot bringen (seitlich und nach vorn)

  • Wasserwaage an die Seitenwand: Korpus muss links und rechts lotrecht stehen.
  • Wasserwaage an die Frontkante: Korpus darf nicht nach vorn kippen, sonst laufen Türen von allein auf/zu.

Wenn du mehrere Elemente nebeneinander stellst: Richte jedes Element einzeln ins Lot aus, bevor du sie miteinander verbindest. Ein „schlechtes“ Element zieht sonst alle anderen mit.

Schritt 3: Wandabstand kontrollieren statt „anpressen“

Bei welligen Wänden ist es besser, einen kontrollierten Abstand zu lassen und sauber abzudecken (z.B. mit Abschlussleisten), statt den Schrank schief an die Wand zu zwingen.

  • Wenn oben 10 mm Luft sind und unten 2 mm: Das ist normal. Wichtig ist, dass der Korpus gerade steht.
  • Bei starken Wandbäuchen: Nutze Abstandshalter hinten oben, damit der Schrank nicht kippt, wenn er gesichert wird.

Mehrere Schränke verbinden: gerade Front, keine Spannungen

Eine typische Fehlerquelle ist das „Zusammenziehen“ der Korpusse mit Schrauben, obwohl die Böden unterschiedlich hoch sind. Dann entstehen Spannungen und die Türen verziehen sich später.

So gehst du vor

  • Jeden Korpus einzeln ausrichten und unterfüttern, bis er stabil ist.
  • Frontkanten bündig ausrichten (mit einer geraden Latte oder per Sichtlinie).
  • Erst dann verbinden. Nicht mit Gewalt: Wenn du drücken musst, stimmt die Unterfütterung noch nicht.
  • Nach dem Verbinden erneut Lot prüfen.

Tipp aus der Praxis: Bei langen Schrankreihen (3 m und mehr) lohnt es sich, die Ausrichtung von der „optisch wichtigsten“ Seite zu starten, also dort, wo man die Fuge am stärksten sieht (z.B. neben der Türöffnung).

Sicherung an der Wand: in Mietwohnungen sicher, aber sauber gelöst

Hohe Schränke müssen gegen Umkippen gesichert werden. In Mietwohnungen ist das meist Pflicht, besonders mit Kindern.

Wenn Bohren erlaubt ist

  • Tragfähige Wand ermitteln: Ziegel, Beton, Trockenbau.
  • Passende Dübel verwenden (bei Trockenbau Hohlraumdübel, nicht Standarddübel).
  • Beim Anziehen nicht den Korpus verziehen: Zwischen Wand und Korpus ggf. Distanzstück setzen.

Wenn Bohren nicht oder nur ungern

Ganz ohne Bohren ist Umkippschutz bei hohen Schränken schwierig. Eine praxistaugliche Zwischenlösung:

  • Schrank mit sehr breiter Auflage und sauberer Unterfütterung stabilisieren.
  • Schwere Teile (Schubladen, Bücher) nach unten.
  • Bei Kindern: besser mit Vermieter klären und fachgerecht bohren. Das ist meist die sicherste Option.

Türen perfekt einstellen: erst jetzt lohnt sich Feintuning

Wenn der Korpus nicht im Lot steht, wirst du die Türen nie dauerhaft sauber einstellen. Sobald der Schrank stabil und gerade steht, ist das Einstellen dagegen schnell erledigt.

Die 3 Stellschrauben am Scharnier (typisch)

  • Seitlich: Spaltmaß zwischen den Türen/Fugen ausrichten.
  • Höhe: Tür oben/unten bündig zur Nachbartür.
  • Tiefe: Tür sitzt plan, schließt ohne Schleifen.

Mini-Regel: Immer nur eine Schraube pro Scharnier minimal drehen, dann prüfen. Sonst verlierst du den Überblick.

Typische Altbau-Symptome und die passende Einstellung

  • Tür schleift unten: Korpus kippt nach vorn oder Boden ist links/rechts unterschiedlich. Erst Unterfütterung prüfen, dann Höhe am Scharnier.
  • Fuge wird nach oben breiter: Korpus ist seitlich nicht im Lot. Nicht nur Scharnier drehen, sondern Korpus nachrichten.
  • Türen springen auf: Korpus kippt nach hinten/vorn oder Magnet/Schließdämpfer sitzt ungünstig. Lot prüfen, dann Dämpfer/Magnet justieren.

Innenleben und Schubladen: leichtgängig trotz schiefem Raum

Schubladen reagieren sensibler als Türen. Wenn sie nicht sauber laufen, liegt es fast immer an der Korpusgeometrie.

So bekommst du Schubladen leichtgängig

  • Korpus nochmals mit Wasserwaage prüfen, besonders vorn.
  • Schubladenschienen beidseitig auf gleicher Höhe montieren, nicht „nach Augenmaß“.
  • Bei minimaler Schieflage: lieber erneut unterfüttern als an Schienen „rumzubiegen“.

Praxis-Hack: Wenn eine Schublade nur in den letzten 5 cm klemmt, ist oft die Front minimal verzogen. Front lösen, neu ausrichten, wieder anziehen.

Sauberer Abschluss: Spalten, Sockel, Leisten ohne Pfusch

Im Altbau bleiben oft Spalten zur Wand. Ziel ist nicht „unsichtbar“, sondern „gewollt und sauber“.

  • Seitliche Spalte: Abschlussleiste oder Blende, wenn verfügbar. Alternativ eine lackierte MDF-Leiste passend zur Front.
  • Sockelleiste stört: Sockelleiste im Schrankbereich ausklinken oder Sockelblende anpassen. In Mietwohnungen lieber ausklinken und später wieder einsetzbar machen.
  • Oben zur Decke: Bei hohen Decken wirkt eine Deckleiste ruhiger als ein unregelmäßiger Schatten.
Detail an Schrankfuß mit Unterlegkeilen und Wasserwaage beim Ausrichten auf schiefem Boden
Unterfüttern statt an den Scharnieren „retten“: so bleibt alles stabil.

Kosten und Zeit: realistische Orientierung

  • Unterfütterung (Keile/Plättchen): 5 bis 20 EUR
  • Abschlussleisten/Blenden: 15 bis 60 EUR je nach Lösung
  • Dübel/Schrauben (Wandsicherung): 5 bis 25 EUR
  • Zeit: 1 Element meist 45 bis 90 Minuten inkl. Türen einstellen, bei Schrankwand eher 3 bis 6 Stunden

Wenn du nach 30 Minuten Türen einstellen immer noch kämpfst, stopp und geh zurück zur Basis: Korpus prüfen, Unterfütterung optimieren, dann erneut einstellen.

Podsumowanie

  • Korpus zuerst stabil und ins Lot bringen, erst danach Türen einstellen.
  • Schiefe Böden mit Keilen/Plättchen ausgleichen, nicht mit Scharnieren kaschieren.
  • Wellige Wände: Abstand akzeptieren und sauber mit Leisten lösen.
  • Mehrere Elemente: einzeln ausrichten, dann verbinden ohne Spannung.
  • Wandsicherung mit Distanzstücken montieren, damit nichts verzogen wird.

FAQ

Wie viel Schiefe kann ich über die Scharniere ausgleichen?

Nur kleine Abweichungen (ein paar Millimeter). Wenn Fugen sichtbar schräg laufen oder Schubladen klemmen, muss der Korpus über Unterfütterung ins Lot.

Was mache ich, wenn der Boden federnd ist (alte Dielen)?

Auflagepunkte verbreitern (z.B. stabile Leisten unter dem Sockelbereich) und wippfreie Unterfütterung schaffen. Punktlasten vermeiden, sonst verstellt sich der Schrank.

Muss der Schrank wirklich an die Wand?

Nein. Wichtiger ist, dass er lotrecht und standsicher steht. Bei ungeraden Wänden ist ein kontrollierter Abstand oft die bessere, sauberere Lösung.

Wie erkenne ich, ob die Schrankwand „verspannt“ ist?

Wenn beim Verbinden Druck nötig ist, Türen sich nach dem Verschrauben sichtbar verstellen oder Schubladen plötzlich klemmen. Dann Verbindung lösen, Unterfütterung korrigieren, erneut verbinden.